Wer lange genug einen Gemüsegarten bewirtschaftet, lernt eine Sache mit ziemlicher Sicherheit: Ein Beet ganz ohne Schädlinge hat es nie gegeben, und es wird es auch nie geben. In meiner Jugend wurde noch gespritzt, was das Zeug hielt, und trotzdem standen im nächsten Jahr dieselben Blattläuse an denselben Bohnen. Erst mit den Jahren wurde mir klar, dass es gar nicht darum geht, jedes Tier aus dem Beet zu vertreiben. Es geht darum, dass keines überhandnimmt.
In diesem Beitrag lesen Sie, welche Schädlinge im Gemüsebeet am häufigsten auftreten und woran Sie sie erkennen, welche Tiere Ihnen dabei helfen, sie in Grenzen zu halten, was Mischkultur und Fruchtwechsel wirklich bewirken und wann ein gezieltes Eingreifen sinnvoll ist, ohne dass Gift ins Beet kommt.
Ein gesundes Beet beginnt beim Boden
Bevor man über einzelne Schädlinge nachdenkt, lohnt ein Blick nach unten. Pflanzen, die in einem lebendigen, humusreichen Boden stehen, werden seltener befallen und erholen sich schneller, wenn es doch geschieht. Das ist keine Gartenromantik, sondern schlicht eine Frage der Widerstandskraft. Eine Pflanze, die unter Trockenheit, Staunässe oder einem Überschuss an Stickstoff leidet, ist für Blattläuse geradezu eine Einladung, denn weiches, zu üppig getriebenes Gewebe lässt sich leichter anstechen.
Meine Großmutter hat nie von Bodenleben gesprochen, aber sie hat jeden Herbst ihren Kompost auf die Beete gebracht und den Boden über den Winter mit abgestorbenem Pflanzenmaterial bedeckt. Genau das ist es, worauf es ankommt. Sparsam düngen, gut mulchen, den Boden nicht unnötig tief umgraben, und schon fällt die halbe Arbeit weg, über die man sich im Sommer sonst ärgert.
Die häufigsten Plagegeister im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt, welche Tiere Ihnen im Gemüsebeet am ehesten begegnen, woran Sie den Befall erkennen und wer im Garten dagegen arbeitet.
| Schädling | Typisches Schadbild | Natürlicher Gegenspieler oder Maßnahme |
|---|---|---|
| Blattläuse | Klebrige Blätter, verkrüppelte Triebspitzen, Ameisen an den Pflanzen | Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen, notfalls ein kräftiger Wasserstrahl |
| Kohlweißling | Löcher in Kohlblättern, grüne Raupen an der Blattunterseite | Kulturschutznetz von Anfang an, Absammeln, Schlupfwespen in der Umgebung |
| Nacktschnecken | Über Nacht abgefressene Jungpflanzen, Schleimspuren am Morgen | Absammeln in der Dämmerung, Schneckenzaun, Laufenten oder Igel im Garten |
| Erdflöhe | Viele kleine Löcher in Radieschen-, Rucola- und Senfblättern | Boden gleichmäßig feucht halten, engmaschiges Netz auflegen |
| Trauermücken | Kümmernde Jungpflanzen in der Anzucht, kleine schwarze Fliegen über der Erde | Nematoden der Art Steinernema feltiae, Erde oberflächlich abtrocknen lassen |
Bei allen genannten Schädlingen gilt: Ein paar Blattläuse an der Bohnenspitze sind kein Grund zur Sorge. Sie sind sogar nötig, denn ohne Beute siedeln sich Marienkäfer und Florfliegen gar nicht erst an. Wer beim ersten Anzeichen zur Spritze greift, nimmt seinen Helfern die Lebensgrundlage und steht im nächsten Jahr wieder allein da.
Helfer, die man in den Garten einladen kann
Die wirksamsten Verbündeten kosten nichts, sie brauchen nur einen Platz. Eine Ecke mit Brennnesseln, ein Haufen aus Totholz, eine Trockenmauer, ein paar Stauden, die man im Herbst stehen lässt: Das alles sind Winterquartiere für Marienkäfer, Ohrwürmer, Laufkäfer und Spinnen. Ein Streifen mit Ringelblumen, Kornblumen oder Dill am Beetrand bringt Schwebfliegen, deren Larven erstaunliche Mengen an Blattläusen vertilgen. Und wo eine Hecke steht, brüten Vögel, die den ganzen Tag Raupen für ihre Jungen sammeln.
Manchmal reicht das jedoch nicht, etwa wenn ein Befall bereits weit fortgeschritten ist oder wenn es um Larven geht, die tief in der Erde sitzen und für Vögel unerreichbar sind. Dann können Sie gezielt nachhelfen und die passenden Gegenspieler ausbringen. Natürliche Schädlingsbekämpfung arbeitet nach genau demselben Prinzip wie der Garten selbst, nur konzentriert auf eine bestimmte Art. Für Mensch, Haustier und Boden bleibt sie ohne Folgen, und es gibt keine Wartezeit bis zur Ernte.
Mischkultur und Fruchtwechsel, das alte Wissen
Was heute wieder als Neuheit verkauft wird, stand früher in jedem Bauernkalender. Zwiebeln und Möhren nebeneinander gesetzt halten sich gegenseitig die Schädlinge vom Leib, weil der Geruch der einen Pflanze die Fliege der anderen verwirrt. Tagetes im Gemüsebeet helfen gegen bestimmte wurzelschädigende Fadenwürmer im Boden. Bohnenkraut neben Buschbohnen, Kapuzinerkresse als Ablenkung für Blattläuse, all das sind Erfahrungen, die über Generationen weitergegeben wurden.
Mindestens ebenso wichtig ist der Fruchtwechsel. Kohl sollte frühestens nach drei bis vier Jahren wieder auf dieselbe Fläche kommen, sonst reichern sich Krankheitserreger und Schädlinge im Boden an. Ich habe mir dafür jahrzehntelang eine einfache Skizze der vier Beete gemacht und sie jeden Winter eine Position weitergedreht. Wer meint, sich das merken zu können, irrt sich spätestens im dritten Jahr.
Wenn Sie doch eingreifen müssen
Bei Blattläusen genügt oft ein kräftiger Wasserstrahl am Morgen, mehrere Tage hintereinander angewendet. Hilft das nicht, wirkt eine milde Lösung aus reiner Schmierseife, mit der Sie besonders die Blattunterseiten benetzen. Kohlweißlingsraupen sammelt man ab, solange sie klein sind, und beugt im nächsten Jahr mit einem feinmaschigen Kulturschutznetz vor, das man gleich nach der Pflanzung auflegt und an den Rändern gut beschwert, damit die Falter nicht darunterschlüpfen. Schnecken sucht man am besten in der Dämmerung oder nach einem Regenschauer ab, denn dann sind sie unterwegs.
Werden Nematoden eingesetzt, kommt es auf zwei Dinge an: auf die richtige Art für den jeweiligen Schädling und auf einen feuchten, ausreichend warmen Boden. Bringen Sie sie am Abend oder an einem bedeckten Tag mit der Gießkanne aus, nehmen Sie dabei den Brausekopf ab und rühren Sie zwischendurch immer wieder um, damit sie sich nicht am Kannenboden absetzen. In den folgenden zwei bis drei Wochen sollte die Erde gleichmäßig feucht bleiben. An dieser Feuchtigkeit scheitern die meisten Anwendungen, nicht am Mittel selbst.
Geduld, die sich auszahlt
Ein Garten ohne Gift braucht im ersten Jahr etwas mehr Aufmerksamkeit, das will ich nicht beschönigen. Man geht öfter durch die Beete, dreht Blätter um und schaut genauer hin. Dafür stellt sich nach zwei, drei Jahren ein Gleichgewicht ein, in dem sich vieles von selbst reguliert und man am Ende weniger zu tun hat als vorher. Wer sich darüber hinaus in Ruhe einlesen möchte, findet in einer Sammlung praktischer Gartentipps viele Anregungen für die tägliche Arbeit im Beet.
Und ganz nebenbei schmeckt ein Salat, bei dem man weiß, dass nie etwas darauf gespritzt wurde, einfach anders. Das ist vielleicht Einbildung, aber nach all den Jahren gönne ich sie mir.

