Eine Sonnenblume ist weit mehr als eine große gelbe Blüte. Wer im Sommer einige Minuten vor einer geöffneten Sonnenblume stehen bleibt, kann beobachten, wie Hummeln und Bienen über die Blütenmitte laufen, Pollen sammeln und von Pflanze zu Pflanze wechseln. Im Herbst übernehmen die Samen eine neue Aufgabe: Sie werden zur Nahrungsquelle für verschiedene Vogelarten.
Doch wann beginnt diese Blütenphase und wie lange steht die Sonnenblume Insekten tatsächlich als Nahrungsquelle zur Verfügung?
Die gewöhnliche Sonnenblume (Helianthus annuus) blüht in Mitteleuropa überwiegend zwischen Juli und September. Je nach Sorte, Aussaatzeitpunkt und Witterung können sich die ersten Blüten bereits im Juni öffnen. Spät entwickelte Pflanzen blühen teilweise noch im Oktober.
Für einen naturnahen Garten ist allerdings nicht allein der Blühbeginn interessant. Ebenso wichtig sind die Blütenform, das Pollenangebot, die Dauer der Blühphase und die Frage, was nach dem Verblühen mit der Pflanze geschieht.
Was passiert eigentlich, wenn eine Sonnenblume blüht?
Was wir umgangssprachlich als eine einzige große Blüte bezeichnen, ist botanisch ein ganzer Blütenstand. Die Sonnenblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).
Die auffälligen gelben Zungenblüten sitzen außen am Blütenkorb. Sie dienen vor allem der optischen Anlockung von Bestäubern.
In der Mitte befinden sich zahlreiche kleine Röhrenblüten. Diese entwickeln nacheinander ihre Fortpflanzungsorgane und können nach erfolgreicher Bestäubung Früchte bilden, in denen die Sonnenblumenkerne heranreifen.
Die Blütenöffnung verläuft also nicht überall gleichzeitig. Bei der gewöhnlichen Sonnenblume schreitet die Entwicklung der Röhrenblüten typischerweise vom äußeren Bereich des Blütenkorbs nach innen fort.
Das erklärt eine Beobachtung, die viele Gärtner kennen: Während Teile der Blütenmitte bereits bestäubt sind, können sich weiter innen noch Blüten in einem früheren Entwicklungsstadium befinden.
Wann beginnt die Sonnenblumenblüte im Jahreslauf?
Sonnenblumen benötigen ausreichend Wärme und Licht, um sich vom Keimling zur blühenden Pflanze zu entwickeln. Für zahlreiche Gartensorten liegt die Zeitspanne von der Aussaat bis zur ersten Blüte ungefähr bei zehn bis vierzehn Wochen. Es gibt jedoch frühere und spätere Sorten.
Eine Aussaat im Mai führt deshalb häufig zu einer Blüte im Juli oder August. Wurden die Pflanzen bereits im Frühjahr geschützt vorgezogen, kann die Blüte früher beginnen.
Für die Gartenpraxis ergeben sich folgende Orientierungswerte:
- Juni: Erste frühe Sonnenblumen können bereits blühen.
- Juli und August: Hauptblüte vieler einjähriger Gartensonnenblumen.
- September: Späte und verzweigte Sorten blühen weiter; bei anderen beginnt die Samenreife.
- Oktober: Einzelne späte Blüten sind bei günstiger Witterung möglich.
Diese Zeitangaben gelten vor allem für die gewöhnliche einjährige Sonnenblume. Innerhalb der Gattung Helianthus gibt es auch ausdauernde Arten mit anderen Blühzeiten.
Wie lange bietet eine Sonnenblume Nahrung für Insekten?
Die Dauer des Nahrungsangebots hängt wesentlich vom Wuchs- und Blühverhalten der Sorte ab.
Einköpfige Sonnenblumen
Eine einköpfige Sonnenblume bildet überwiegend einen großen Blütenkorb. Ihre eigentliche Blühphase ist begrenzt. Oft dauert die auffällige Blüte ungefähr ein bis zwei Wochen, wobei Witterung und Sorte für Unterschiede sorgen.
Nach Abschluss der Blüte entwickelt die Pflanze ihre Früchte weiter. Für nektar- und pollensammelnde Insekten nimmt das Angebot am betreffenden Blütenkorb dann ab.
Verzweigte Sonnenblumen
Verzweigte Sorten bilden mehrere Blütenkörbe an Seitentrieben. Diese öffnen sich häufig zeitlich versetzt.
Dadurch verteilt sich das Angebot von Nektar und Pollen über einen längeren Zeitraum. Für einen insektenfreundlichen Garten kann das vorteilhafter sein als eine einzige kurzzeitig blühende Riesensonnenblume.
Allerdings ist die Zahl der Blüten allein kein ausreichendes Kriterium. Entscheidend ist auch, ob die betreffende Sorte tatsächlich Pollen und Nektar in nutzbarer Menge bereitstellt.
Welche Sonnenblumen sind für Bienen besonders interessant?
Im Saatguthandel werden Sonnenblumen mit unterschiedlichen Blütenformen angeboten. Darunter befinden sich auch gefüllte und pollenarme beziehungsweise pollenfreie Züchtungen.
Für den Naturgarten sollten diese Eigenschaften bewusst berücksichtigt werden.
Ungefüllte Sorten bevorzugen
Bei ungefüllten Blüten sind die Röhrenblüten für Bestäuber meist gut erreichbar. An solchen Sonnenblumen können sich unter anderem Honigbienen, Hummeln und verschiedene Wildbienenarten einfinden.
Stark gefüllte Blüten können den Zugang zum Nahrungsangebot erschweren oder weniger nutzbare Fortpflanzungsorgane besitzen.
Pollenfreie Sonnenblumen richtig einordnen
Manche Schnittblumensorten wurden so gezüchtet, dass sie keinen oder kaum Pollen abgeben. Das ist für Blumensträuße praktisch, weil weniger Pollen auf Möbel und Textilien gelangt.
Für pollensammelnde Insekten fehlt damit jedoch ein wichtiger Bestandteil des Nahrungsangebots.
Einige pollenfreie Sorten können weiterhin Nektar liefern. Sie sind deshalb nicht zwangsläufig vollständig wertlos für Insekten, ersetzen aber keine pollenliefernden Pflanzen.
Wer Sonnenblumen gezielt zur Förderung von Bestäubern anbaut, sollte ungefüllte, pollenführende Sorten bevorzugen.
Reicht die Sonnenblume für einen bienenfreundlichen Garten aus?
Nein. Auch wenn Sonnenblumen reichlich besucht werden, können sie allein keine durchgehende Nahrungsversorgung gewährleisten.
Viele Wildbienenarten haben besondere Ansprüche an die Blütenpflanzen, von denen sie Pollen sammeln. Die Sonnenblume ist außerdem ursprünglich keine heimische mitteleuropäische Wildpflanze.
Sie kann das Nahrungsangebot im Sommer ergänzen, sollte aber mit heimischen Wildpflanzen und anderen geeigneten Blütenarten kombiniert werden.
Besonders wichtig ist eine zeitliche Abfolge unterschiedlicher Blüten:
- Frühblüher versorgen zeitig aktive Insekten.
- Sommerblumen ergänzen das Nahrungsangebot während der warmen Monate.
- Spätblühende Pflanzen bieten Nahrung, wenn viele Sommerarten bereits verblüht sind.
Zusätzlich benötigen Insekten geeignete Nistmöglichkeiten, Rückzugsräume und möglichst ungestörte Bodenbereiche.
Weitere praktische Ideen zur Gestaltung findest du in unserem Ratgeber über naturnahes Gärtnern und mehr Artenvielfalt.
Was beeinflusst die Blütenbildung bei Sonnenblumen?
Im Naturgarten lässt sich die Entwicklung der Sonnenblumen gut beobachten. Manche Pflanzen stehen trotz gleicher Aussaatzeit früher in Blüte als andere.
Dafür gibt es verschiedene Ursachen.
Sonnenlicht und Temperatur
Die gewöhnliche Sonnenblume benötigt einen hellen, möglichst vollsonnigen Standort. Unter günstigen Licht- und Temperaturbedingungen entwickelt sie sich meist zügiger als an einem schattigen Platz.
Die Blühzeit kann außerdem von der Tageslängenreaktion der jeweiligen Sorte beeinflusst werden. Sonnenblumen reagieren diesbezüglich nicht alle gleich.
Wasserversorgung
Ausgewachsene Sonnenblumen können mit zeitweiser Trockenheit umgehen. Besonders während der Knospenbildung und Blüte kann Wassermangel jedoch die Entwicklung beeinträchtigen.
Das gilt vor allem für Jungpflanzen und Sonnenblumen in Pflanzgefäßen.
Wichtig ist eine angemessene Bodenfeuchtigkeit ohne dauerhafte Staunässe. Ständiges oberflächliches Gießen ist meist weniger sinnvoll als eine an den tatsächlichen Wasserbedarf angepasste Bewässerung.
Auch die Wasserqualität kann bei empfindlichen Gartenpflanzen eine Rolle spielen. Hintergründe zu diesem Thema bietet unser Beitrag über kalkhaltiges Gießwasser und die Bedürfnisse von Gartenpflanzen.
Nährstoffangebot
Ein ausreichend nährstoffreicher Boden unterstützt die Entwicklung kräftiger Sonnenblumen. Übertriebene Stickstoffgaben können jedoch übermäßiges Blatt- und Stängelwachstum begünstigen und die Standfestigkeit beeinträchtigen.
Für einen durchschnittlichen Gartenboden genügt häufig eine maßvolle Versorgung mit reifem Kompost. Zusätzliche Düngung sollte sich am tatsächlichen Bedarf orientieren.
Warum dreht sich die blühende Sonnenblume nicht mehr mit der Sonne?
Es gehört zu den bekanntesten Vorstellungen über Sonnenblumen: Ihre Blütenköpfe folgen während des gesamten Tages der Sonne.
Tatsächlich gilt das vor allem für junge, noch wachsende Pflanzen. Ihre Triebspitzen bewegen sich während der Entwicklung mit dem Sonnenlauf.
Mit zunehmender Reife lässt diese Bewegung nach. Erwachsene Blütenköpfe bleiben häufig überwiegend nach Osten ausgerichtet.
Die morgens früh einsetzende Erwärmung kann Einfluss auf den Besuch durch Bestäuber haben.
Wer Sonnenblumen im Garten beobachtet, kann diese Veränderung selbst nachvollziehen: Junge Triebe verändern ihre Ausrichtung stärker als fertig entwickelte, geöffnete Blütenköpfe.
Was geschieht nach der Blüte mit den Sonnenblumenkernen?
Nach der Bestäubung beginnt die Entwicklung der Früchte. Was wir als Sonnenblumenkerne bezeichnen, sind botanisch gesehen die Früchte der Sonnenblume, sogenannte Achänen.
Mit der Reifung verändert sich das Aussehen des gesamten Blütenkorbs. Die gelben Zungenblüten vertrocknen, die Blütenmitte wird zunehmend von reifenden Früchten geprägt, und der schwere Kopf neigt sich häufig nach unten.
Für die Gewinnung von Saatgut sollte man warten, bis die Früchte ausreichend ausgereift sind.
Typische Anzeichen sind:
- Die äußeren gelben Blütenteile sind weitgehend vertrocknet.
- Die Rückseite des Blütenkorbs verfärbt sich von Grün in Richtung Gelb oder Braun.
- Die Samen haben ihre sortentypische Färbung entwickelt.
- Der Blütenkopf beginnt einzutrocknen.
Bei feuchter Herbstwitterung können reifende Körbe schimmeln. Wer Saatgut gewinnen möchte, sollte die Köpfe deshalb regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls an einem luftigen, trockenen Ort nachreifen beziehungsweise trocknen lassen.
Verblühte Sonnenblumen im Herbst stehen lassen?
In einem naturnah bewirtschafteten Garten müssen verblühte Sonnenblumen nicht sofort abgeschnitten werden.
Ausgereifte, gesunde Samenstände können für körnerfressende Vögel interessant sein. Beispielsweise Finken und Meisen nutzen Sonnenblumenkerne als energiereiche Nahrung.
Es ist daher durchaus sinnvoll, einige Blütenköpfe im Garten stehen zu lassen, sofern sie gesund sind und nicht stark schimmeln.
Allerdings sollte man nicht erwarten, dass jeder abgestorbene Sonnenblumenstängel automatisch ein wertvolles Insektenquartier darstellt.
Einige Insekten nutzen markhaltige Pflanzenstängel als Nist- oder Überwinterungsstruktur. Dafür sind jedoch passende Stängeldurchmesser, geeignete Schnittstellen und eine ausreichend lange Standzeit erforderlich.
Ein alter Sonnenblumenstängel ist somit eine mögliche Struktur unter vielen, kein universelles Wildbienenhotel.
Naturschutz im Garten bedeutet vor allem, unterschiedliche Lebensräume zu erhalten und nicht sämtliche Pflanzenreste sofort zu beseitigen.
Was tun, wenn Schädlinge die Sonnenblumen befallen?
Blattläuse an jungen Trieben oder Fraßspuren an den Blättern sind nicht ungewöhnlich. Nicht jeder Befall erfordert sofort eine Behandlung.
Kräftige Pflanzen können einen begrenzten Blattlausbefall häufig verkraften. Gleichzeitig nutzen Marienkäfer, Florfliegen und andere Nützlinge Blattläuse als Nahrung.
Bei jungen Sonnenblumen sind insbesondere Schnecken problematisch, weil sie die Pflanzen innerhalb kurzer Zeit stark schädigen können.
Regelmäßige Kontrollen und mechanische Schutzmaßnahmen sind deshalb oft sinnvoller als ein vorsorglicher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Weitere Hinweise zu einer zurückhaltenden Schädlingsregulierung findest du in unserem Beitrag über Schädlinge im Garten ohne Gift in Schach halten.
Einjährige und mehrjährige Sonnenblumen: Ein wichtiger Unterschied
Die gewöhnliche Sonnenblume ist einjährig. Nach Blüte und Samenbildung stirbt die gesamte Pflanze ab.
Daneben gibt es ausdauernde Sonnenblumenarten, die jedes Jahr neu austreiben können. Dazu gehören beispielsweise die Weidenblättrige Sonnenblume (Helianthus salicifolius) und verschiedene mehrjährige Gartenhybriden.
Solche Stauden blühen häufig im Spätsommer oder Herbst und können den Blütenkalender eines Gartens ergänzen.
Die Winterhärte und die Ansprüche an den Standort unterscheiden sich je nach Art und Sorte. Außerdem sind nicht alle mehrjährigen Sonnenblumenarten für kleine Beete geeignet, da manche einen kräftigen Ausbreitungsdrang entwickeln.
Fazit: Sonnenblumen bewusst durch den Sommer begleiten
Die Blütezeit einer einjährigen Sonnenblume liegt meist zwischen Juli und September. Für Insekten und Vögel ist jedoch auch wichtig, was davor und danach im Garten geschieht.
Eine geeignete Sortenauswahl, zeitlich versetzte Blüten und der Verzicht auf unnötige Pflanzenschutzmaßnahmen können dazu beitragen, den Nutzen der Pflanzen zu erhöhen.
Besonders empfehlenswert sind ungefüllte, pollenführende Sonnenblumen, kombiniert mit heimischen Blütenpflanzen und einer vielfältigen Gartenstruktur.
Wenn nach der Blüte einige gesunde Samenstände stehen bleiben dürfen, bereichert die Sonnenblume den Garten sogar noch weit über ihren sommerlichen Höhepunkt hinaus.

